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Seit einiger Zeit gewährt OBI Schwarzenbruck keine Rabatte mehr für uns. Wir werden demnächst ein Gespräch mit der Geschäftsführung dazu haben. +++ Der neue Vereinskalender mit vielen abgesagten Terminen ist online. +++ Vorläufig halten wir an der Planung für unseren Vereinsausflug nach Frankfurt vom 4.-6. September fest. +++

Dou hammer alle däi Fäiß waschn mäin…

Der Weiher-Schorsch (Georg Abraham, Jahrgang 1927) erzählt Geschichten aus seiner Kinderzeit - rund um den Weiher

 

Inzwischen liegt er ja recht romantisch eingezwängt an der Nürnberger Straße. Aber zu seiner „großen“ Zeit spielte er eine wichtige Rolle im Dorfleben – unser Dorfweiher. Bevor die heutige B8 gebaut worden ist, führte die alte Bundesstraße mitten durchs Dorf. Und der Weiher prägte das Bild über viele Generationen:

Neulich brachte mir unser „Weiher-Schorsch“ ein Foto aus der Zeit um 1914. Darauf erkennt man die – im Vergleich zu heute – riesigen Ausmaße: Das heutige Vogelhuber-Anwesen im Südosten ist auf dieser Fläche errichtet, und das „WeiglerHaus“ (im Nordwesten, es grenzt an den Parkplatz der „Krone“) stünde heute ebenfalls im Weiher. Der hintere Rand reichte bis weit in die heutigen Gärten hinein.

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Der Dorfweiher - heute. Die ehenmaligen Ausmaße sind blau markiert.

Viele Geschichten ranken sich darum:

Die Brauerei holte dort – wie auch vom Kanal und von anderen Gewässern - winters Eis in großen Blöcken, das sie zum Kühlen der Biere brauchte. Im Keller unter der Brauerei, zeitweise gar auf großen Haufen im Hof, abgedeckt mit Sägespänen, lagerte das Eis und konnte das ganze Jahr über genutzt werden. Die Arbeiter schlugen am Weiher große Blöcke heraus, die von den Kindern nach Feierabend zum Spiel genutzt wurden: Man sprang von Scholle zu Scholle über den ganzen Weiher; oft landete einer im eisigen Wasser. „Eistrümmer-Laafn“ war eine Riesen-Gaudi. „Schobn, Schobn, zäich mi raus“ – heute noch ein geflügeltes Wort beim „Weiher-Schorsch“ – der Gömmels Radl (Konrad) war halt auch reingefallen, und unser „Schobn“ (Schorsch, Schober…) sollte ihn retten. „Einmal bin ich vom vorderen Rand reingesprungen und mit dem Kopf im Schlamm steckenbliebn“ – der Weiher-Schorsch schüttelt sich heute noch vor Lachen über dieses Erlebnis.

Schauen wir uns das alte Foto mal etwas an:

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Eine Postkarte um 1914. Sie wurde nachträglich coloriert.

27 Menschen in einem Häuschen...

Im Vordergrund lagert Bauholz. Daraus sollte wohl das damalige Gemeindehaus – heute im Besitz der Familie Reinhardt – gebaut werden. Nach dessen Fertigstellung wohnten in dem relativ kleinen Häuschen drei Familien: Im Dachgeschoss gab es zwei alte Leute (eine hieß nur die „Bodenstieg-Liesl“). Im ersten Stock wohnte Familie Grimm mit ca. 14 Kindern, und unten fanden die Silberhorns eine Bleibe – mit noch einmal 7 Kindern. Wenn ich richtig gezählt habe, war dieses Haus damals für 27 Menschen die Behausung. Übrigens hatte auch die Familie Abraham 14 Kinder. Ihr Haus ist das am rechten Bildrand mit den beiden Giebeln. „Ich hab mich als Bub immer da reingelegt, wo die beiden Dächer zusammenkommen. Da hat mich keiner gesehen, aber ich konnte alles beobachten“ – der Weiher-Schorsch grinst verschmitzt…

Und an dem Mäuerchen gleich rechts neben dem Masten trafen sich die Buben an jedem Sommerabend: „Da hammer alle die Fäiß waschn mäin, sunsd hädd ma dahaam ned neidärfd.“

Das kleine Haus mit dem weißen Giebel daneben steht noch heute. Es ist das alte Weth-Haus. Beidseits der Straße führten Gräben das Wasser in den „Saugroom“ ab. Der heute unterhalb der neuen B8 verläuft. Wastls Wiesn reichte daneben von der Dorfstraße bis hinunter zum Bach. Linden, Birnen- und Apfelbäume säumten die Straße.

Leitung zum Feuerlöschen wurde verlegt
Zur Zeit des ersten Weltkrieges wurde eine Leitung gegraben vom Brauweiher bis hinunter zur heutigen Bäckerei. Man konnte dorthin das Wasser leiten, damit im Falle eines Brandes die Feuerwehr auch dort genügend Löschwasser zur Verfügung hatte. Den Schacht gleich beim Weiher hatten wir bei dessen Renovierung noch entdeckt. Bei dem Mast scheint es sich um einen Telegrafen-/Telefonmast zu handeln. Das "Elektrische" kam ja erst 1927 nach Oberferrieden..
Das kleine Häuschen, welches sich im Wasser spiegelt, diente der zweiten Brauerei, die es damals noch gab (Derbfuß, heutiger Landgasthof Krone) als Gesindehaus. Dort wohnten Beschäftigte der Brauerei. Heute steht an gleicher Stelle ein Wohnhaus, das mit dem Giebel zur Straße schaut. Auch der heutige Gasthof Krone, dahinter die (inwischen abgerissene) Scheune) ist gut zu sehen. 

Beii dieser Gelegenheit erzählte mir Georg Abraham (Weiher-Schorsch), dass es damals noch zwei weitere Weiher im Dorf gegeben hat: Einer war unterhalb des Hauses der Familie Schilfarth (Nürnberger/Unterferrieder Straße) angelegt, der andere am heutigen Spielplatz  am Vogelherd. Außerdem gab es einen weiteren größeren Weiher (Espen-Weiher) da, wo heute der Getränkemarkt steht. Und auch von dort erfuhr ich eine kleinen Streich: „Wir haben dort immer gebadet“, erzählt er. Und an einem Abend waren ein paar Mädchen dort. Die waren ganz nackert im Wasser. Da ham wir dene die G´wänder weggraamt und ham ganz frech zuschaut, wäis ausm Wasser rauskumma hän. Dene hamma die Gwänder fei lang nimmer geem…“

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